Der Schleier


Der Nebel bedeckt das Tal

und es dampft über` m Bach.

Der Schleier, der mich umwickelt

ist meine Geborgenheit, mein sicheres Dach.


Dann bringt die Sonne mit sich die Wärme.

Der Schleier weht in der Tat

um den nackten Körper, der glüht,

nach Schutz sucht, nach Rat fragt.


Behüte, Schleier, mein Gesicht.

Dieser Tag ist wirklich zu grell!

Wohin mit mir, mit meinem Bick?

In seinen Schatten! In den Schatten schnell!






Der Herbst


Der Wind berührt leise mein Haar,

bläst und weht es in mein Gesicht;

und die Wolke hängt tief am Himmel,

hüllt mich ein, bedeckt meine Sicht.


Ich würde gern tanzen mit dem Wind,

bis hinter die Wolke, suchend nach Licht.

Es ist aber kühl und ungewiss,

weil der tiefe Herbst Tropfen verspricht.


Ich hoffe, Du wartest, liebe Hand,

und nimmst mich an; ich bin ganz zahm.

Lass mich klar sehen, mich erholen

In Deinem Heim. Darin ist es warm.






Die Muschel


Hörst du das Rauschen in der Muschel?

Geheimnisvoll und leis?

Spürst du diese Wärme,

die aus ihrem Kreis?

Sie glänzt in voller Pracht,

lächelt dir zu, sogar lacht;

umhüllt dich mit ihrem Schein

und sagt:

Was bin ich so klein in dem Meere!

Doch bin ich rein und belehre

In der Stille!“






Ein Rätsel


Ich tauche manchmal im Traum auf,

was zum verzweifeln bringen kann,

oder zum stillem Weinen,

oder sogar zum Lachen.


Mit wirren Bildern ziehe

Ich durch die Nacht;

Bin für gar Keinen gedacht.

Nun beim Aufwachen

liege ich schon in einem Schoß!


Kennst du mich etwa?

Was bin ich bloß?





Du Himmel


Ich sah dich von unten, von ganz unten,

wo ich auf dem Rücken lag.

Lag ich auf einer Wurzel?

Lag ich auf dem Laub?

Etwa im Gras?

Auf dem Moos?

Weiß ich nicht.

Was war bloß los?

Es war etwas Ernstes im wenig Licht,

die Bäume schliefen noch und der Wind war schwach.

Viel Ruhe im Wald am frühen Morgen,

als alle Gemüter auch unten lagen

und bald wurden wach!



Eigentlich


Eigentlich genieße ich die Nacht,

die Stille um mich herum,

die Tiefe der Dunkelheit,

den Esel, der verkehrt im Wagen sitzt, vor mir auf dem Bild.


Dich mag ich auch in dieser Nacht,

obwohl ich weiß:

Die Welt ist für dich ungerecht, nicht wahr?

Und du lässt mich es spüren.


Der Tag vor uns wird schwer für beide;

Für mich, weil ich müde bin

Und für dich, weil die Welt ungerecht ist.

Lass uns ihn angehen!



Knospe


Egal wie klein, wie leicht und unsicher

ich erscheine,

lass es zu, dass ich eine Blüte werde!


Denn, ich bin die Knospe

am Ende diener Spitze

und vereine

dein Stück Himmel und deine Erde!








Der alte Baum


Meine Blätter sind schon lange nicht mehr grün, vollkommen.

Ihr Saft ist jenem langen heißen Sommer entkommen,

als ich, sich hingebend, mit Spaß diese Wärme genoss

und ließ meine Wurzel in der oberen, flachen Erdenschicht.


Meine Blätter sind schon lange Zeit trocken, ohne Duft;

Sie krallen an Zweigen, rauschen, stauben in der Luft.

Und der Wind jetzt in meiner Krone, wie im leeren Schloss

Geister tanzen und pfeifen lässt, jaulend im kalten Licht



Ein Mädchen und die Trauerweide


Ein Mädchen sprach mit zarter Stimme

zum Ast der Trauerweide, der herunter fällt:

Du bist „mein Kind, ich habe Dich lieb“,

und spielt mit ihm so, wie`s ihr gefällt.


Sie wiegt ihn in Ihn in ihren Armen,

als ob er es auch wirklich spürt.

Mal streichelt sie ihn, mal putzt sie ihn,

hällt ihn in der Luft, die Wolke berührt.


Nun fällt die Rinde vom Stock stark ab

und von Reiben wurden ihre Hände rot.

Sie verliert den Spaß und die Geduld

und begräbt den Stock. „Jetzt bist Du tot!“


Aber dann, als keiner mehr daran denkt,

sucht sie verzweifelt nach dem Holz.

Jetzt wachsen die Blätter aus dem Traum

In ganzer Pracht, in ganzem Stolz.




Zu Zweit


Deine Lippen fühlen,

küssen.

Die Schönheit deines Körpers

genießen.

Bettrauschen,

sich zueinander ziehend

die Seite wenden

im Mondschein,

in dieser Nacht.

Und Geflüster

„Ich liebe dich“





Verlorene Träume


Verlorene Träume

suchen ihren Weg.

Durch Regentropfen

finden sie zu Boden.

Ich bin zu schwach,

um ihre Früchte zu ernten.

Und ich hätte gern,

oh, wie gern hätte ich

ihre Lippen damit befeuchtet,

ihren Körper damit bemalt!






Verliebt sein


Wir laufen umarmt

und sprechen über belanglose Sachen.

Wir brauchen keine Musik,

zuviel wäre auch der Dritte,

uns tragen langsame Schritte

fort und fort

von einen zum anderen Ort.


Unsere Sprache ist leise.

Ein paar Worte austauschen.

Lachen.

Wir sprechen nur über belanglose Sachen.


Wie nennst du das Gefühl:

Vom anderen ist dir nicht zu viel?

Gedankenlos,

umarmend und

den Boden berührend.

Zu Zweit als Eins zu sein,

Wie ein Schmetterling

im Sonnenschein

den Frieden spüren

und glücklich sein!




Das Glas


Ich hebe das Glas hoch,

das voll ist,

nicht mit Wein

sondern mit Blüten!


Junge Sprossen

werden noch daraus sprießen.

Ich hoffe und schaue ihr zu.

Die verblühte Blume bist du…


Viele andere Blümchen

blühen und welken.

Ich frage mich: „Hinterlassen sie

fruchtbaren Samen,

aus welchen neue Blumen treiben?“


Ich halte das Glas hoch

und es ist voller Duft.

Die Sporen schweben in der Luft;

Ich sag` zu dir noch: „Lebe wohl!“




Abend


Bei der abendlichen Dämmerung,

und dem Schließen der Blüten,

beim Einschlafen der Natur

sehnt sich mein Herz nach Liebe.


Dann rufe ich dich in Erinnerung.

Aber mir erscheinen nur blasse Bilder.

Ein paar Tropfen am Fenster

sagen mir,

dass es vorbei ist

und dass du schon lange weg bist.




Hoffnung


Welche Wolken bedecken meine Sicht?

Welche Gedanken trüben meinen Geist?

Wann erscheint mir wieder Sonnenlicht?

Ich möchte mich befreien von dieser Last!


Warum gerade jetzt? ist meine Frage,

ein schwarzer Sinn raubt mir die Klarheit.

Und warum das Ungeheuer, das ich trage

meinen Blick ins Helle erschwert für längere Zeit.


Zweige bewegen sich zuversichtlich im Wind.

Ist er es, der Hoffnung bringt in meine Welt?

Zeige mir meinen Stern am weiten Himmelszelt,

der mir antwortet und mich begleitet für alle Tage?!




Der Tag


Ein Tag wie heute suchte ich überall.

Ich dachte, dass ich ihn vergaß

jener Sommer im See,

als warmer Regen mich badete,

und ich verliebt und glücklich war.


Ein Tag so sonnig wie heute

suchte ich lange.

Ist er beim Kuscheln unter der

blühende Linde geblieben?

Da wo sich Verliebte umarmten

und herzhaft lachten?

Als Kind beobachtete ich sie schweigend,

und atmete ihren verheißenden Duft.


Ein Tag so sonnig und warm wie heute

suchte ich lange und überall.

Vielleicht hat er sich

beim Kinderspiel im Sand versteckt!

Im Sand, welcher durch Wind und Bewegung

immer neue Bergchen erweckt!


Ein Tag hell, sonnig, warm wie heute

fand ich in der Erinnerung,

im Tagtraum,

und wenn ich bereit bin

ihn in meinem Herzen anzunehmen.




Altes Ego


Mich begleitet von Kindesalter an noch ein Bild,

das mit mir wächst

und ich habe es mir so eingeprägt.

Es ist manchmal farblos

und manchmal in Farbe.

Ich schaue es an oder

ich versuche es zu vertreiben,

aber es bleibt stehen,

und verlässt mich, wenn es will.


Warum begleitet mich das Bild so weit und so lange?

Ist das mein zweites Ich?

Ich möchte ihm sagen: „Gehe doch für immer fort!“

Ich möchte es fragen: „Bist du mein treuer Freund?“

Und dann fällt mir ein: Das ist mein Schatten.



Für Sena


Mit Wolken bedeckt

in Träume eintauchen,

durch Sonnenstrahlen erweckt,

die Helligkeit zu bestaunen

und wächst wie Blumen im Garten

in grünen Kleid, passend genäht:

saftig, weich und zart.


Liebend mit allen Sinnen,

wünsche ich Dir Tapferkeit.

Gehe und gewinne

Deine Lebenskraft!


Sorry für manches Ungeheuer,

denn auch sein Geist

trieb auf Deinen Wegen.

Besiege ihn mit Vernunft, Liebe und Gottessegen.




Flasche


Zurück in die Vergangenheit, dort wo die Gefühle gedeihen.

Zwei Männer zerren an einer Flasche,

der Eine ist um das Trinken bemüht,

der Andere möchte den Geist befreien.


Der Trinker nimmt einen Schluck herunter,

behauptet es sei ein Mittel gegen jede Klage.

Und der Verrückte tanzt um die Flasche, fröhlich, munter,

er erfährt Mut, Glück, geistige Hingabe.


Plötzlich war der Trinker nicht mehr zu zahm,

ihm fiel die Flasche auf dem Boden;

der Verrücke stolperte in seinem Wahn,

die Scherben glänzten bedrohlich, es war nicht zum Loben.


Der Geist wurde frei und flog hinauf,

von oben schaute er auf die nasse Erde.

Der Trinker und der Verrückte waren verzweifelt,

gingen enttäuscht getrennte Wege.





Für meinen Schatz Armin


Mit einem schweren Schritt

kommst Du zurück

in das vertraute Heim.

Du bist verwundert,

Du hoffst, überlegst,

schaust mit klarem Blick

in die eigene Seele,

in den inneren Keim.


Da findest Du wieder

die Glückseligkeit,

das Wort, das vergessen wurde.

Du glaubst es kaum und

wiederholst es.

Dann siehst Du fröhlich ein:

Mit sich selbst zu sein,

macht Spaß und Freude.