Von Simo Esic, Verleger aus Bosnien und Herzegowina.

Tagelang dauert meine Begeisterung

Über das Buch von Dzevada Christ: Tagelang dauert meine Erinnerung

Ich arbeite lange als Verleger und Herausgeber( was mir immer mehr zwecklos zu werden scheint) und viele verschiedene Manuskripte hatte ich in meinen Händen. Manche davon erfreuen mich, manche beunruhigen mich, manche tun weh, andere wiederrum zwingen mich über den Text zu überlegen, über das Buch, über sich selbst, über das Leben. Die Dichte und Tiefe von manchen Texten verlangen von mir gewisse Mühe und andere mit ihre Wärme, Dursichtigkeit und Leichtigkeit machen meine Seele froh.

Wo in dieser Menge befindet sich Poesie von Dzevada Christ, wie habe ich dieses Manuskript erlebt?

Dieses Manuskript ist auf mein Tisch auf eine fremde Sprache angetroffen; Sprache, welche ich verstehe, aber auf welcher ich mich nicht getraut hätte zu schreiben, einfach weil ich auf dieser Sprache nicht lieben könnte. Aber auch auf diese, deutsche Sprache, auf welche die Gedichte ursprünglich geschrieben waren, habe ich gefühlt, dass Gedichte von Dzevada Christ einen ganz authentische, originelle und eigene Sprache hat, sie öffnen und malen eine ganz intime, bunte und tieferlebte Welt. Ich habe nicht zufällig den Ausdruck “malen“ benutzt, denn Dzevada ist vor allem eine Malerin, diese Art ist auch sehr in ihrem Schreiben präsent, sie hat sich sehr schön in ihre poetische Welt abgebildet. Das wurde dann ein Grund, der genügte, dass ich sie überredete, ihr erstes( poetisches) Werk, genannt: „Tagelang dauert meine Erinnerung“, in die Sprache ihres Vorfahrens zu übertragen, so entstand das Buch „Danima traje moje sjecanje“, das Buch, welches vor uns liegt und welches uns heute zusammen geführt hat.

Dies ist kein großes Buch und nicht so übermächtig, strebt nicht zu groß und pompös zu werden. Hier ist alles im richtigen Maß, so wie es bei einem Lyrikband auch sein soll. Zu dieser Meinung, zu dieser Aussage führt uns schon das erste Gedicht:“ Knospe“, in welchem die Dichterin keine Übermacht heraushebt, sonder ihre Kleinigkeit aber unbestrittene Wert und Wichtigkeit beschreibt:

Diese und alle ihre Gedichte in diesem Buch zeugen, dass die Autorin, trotz ihrer reifen Lebensalter, in der Tat eine Dichterin junges Geistes ist, denn im Buch überwiegen Motive über Liebe und Freude, dieser reinen Lebensfreude und mit sich tragender Helligkeit.

Verliebt sein

Nun, die Liebe, wie das Leben auch, ist nicht nur Hochmut und Freude, nicht nur Helligkeit und Sorglosigkeit. Sie kann, und wie sie es kann, auch schmerzen und sich in schwere Tränen verwandeln. Das zeigt uns die Dichterin in ein paar Gedichten sehr glaubwürdig; sie hat es, so wie es aussieht, erlebt. Ich werde als Illustration folgendes Gedicht herausheben:

Die Gefühle

Damit verwandelt sich diese Helligkeit, Wärme, das Tägliche in etwas ganz anderes:

Abendstimmung

So trifft man ein Morgen, in dem die Sonne kalt ist, der Wind frisch und in dem ein reiner Gedanke den nächtlichen Traum wegtreibt; in dem der Atem an der Glasscheibe friert und die Dichterin sich nach innen wendet.

Und erst dann sind wir sicher, wie bunt und unterschiedlich Dzevadas Innenleben ist, wie breit ist Spannweite ihrer Tastatur. Aus diesem werden Erinnerungsbilder an ihre Kindheit, an ihre Jugend sprechen; es wird die Verstricktheit dieser Bilder mit den Motiven, Gefühlen und Reflexion ihrer reifen Lebensalter beginnen; es wird aus den Versen ihre zarte Lyrik sprechen beginnen, aber auch die Überprüfung von sich selbst, der Welt, des Sinnes dieser und solcher Welt. Mit dieser Verstrickheit, mit diesem Mix verschiedenen Motiven wird uns die Dichterin überzeugen, dass wie ihr Innenleben, so wie auch unser alltägliche Welt nicht einfach sind, nicht monoton sind und doch, wie auch in dem ganzem Buch, sterbt die Dichterin eigenen Weg (zu) bahnen.

Nicht zu Glauben ist, wie harmonisch zu diesem Lyriktagebuch neun kurze allegorische Märchen eingeführt sind. (Unter allen Gedichten hat die Dichterin das Entstehungsdatum geschrieben, so könnte man dieses Buch auch Lyriktagebuch nennen). Ihre Märchen sind Fantasieerzählungen für Erwachsene, eingebettet ins Cyclus Märchen angefangene in einem fernem Land. Dzevada zeigt sich als ein fantasiereicher, inventier „Erzähler“, mit einer Leichtigkeit schafft sie neue Welten und geübt vermischt sie diese mit unserer Realität, wobei sie im Erzählen auch bei Lyrik bleibt, im besten Sinnes des Wortes.



Und zum Schluss: Das Buch ist sehr schön, mit dem Aquarellbild von Dzevada`s Tochter Sena Arnold, auf der Titelseite (so wie es aussieht, talentiert wie ihre Mutter) eingebunden.

Beenden möchte ich mit einem Gedicht: Ein Wunsch

Mit welchen uns die Dichterin symbolisch einlädt in ihren Freundeskreis, in ihre Welt